Fachklinik Schlehreut hilft auf dem Weg in die Unabhängigkeit – Bezirksräte informierten sich – Drogensucht steigt – Drogenbeauftragte soll kommen

Wegscheid  Die Fachklinik Schlehreut in der Marktgemeinde Wegscheid hilft vielen auf dem Weg aus der Sucht in die Unabhängigkeit. Die Bezirksräte Cornelia Wasner-Sommer und Josef Heisl, mit dieser Problematik in den Bezirkskrankenhäusern befasst sind, nutzten unter der Führung von 2. Bürgermeister Lothar Venus die Einrichtung zur Information.

Die Fachklinik ist eine Einrichtung für medizinisch-psychotherapeutische Rehabilitation von suchtkranken Frauen, mit oder ohne Kinder. Die Abhängigkeit von psychotropen Substanzen müsse in jedem Fall im Vordergrund stehen, erklärte Geschäftsführer und Klinikleiter Dr.  Volker Barth. 42 Plätze für Frauen von 18 bis 65 Jahren habe man, 26 Plätze für Kinder von 0 bis 12 Jahren. Die Therapiezeit betrage 15 Wochen bis neun Monate, die Auffangtherapie 6 bis 8 Wochen. Leistungsträger seien die Deutsche Rentenversicherung, alle Krankenkassen und die Sozialhilfeträger.

Natürlich interessierte die Bezirksräte die aktuelle Situation in der Behandlung von Drogensüchtigen, wozu sie auch die Alkoholsucht zählen. Kann man von einer gänzlichen Heilung ausgehen oder werden die Probanden immer wieder rückfällig, war die Frage. Ein Drittel etwa würde es schaffen, ein weiteres Drittel werde immer einmal kurz rückfällig, schaffe es aber letztlich und ein Drittel gleite wieder voll in die Sucht ab, erfuhren die Mandatsträger. Die Therapie schließen nur rund 50 Prozent der Patienten regulär ab, sind es aber Frauen mit Kindern liege die Quote bei guten 75 Prozent. Interessant war für die Bezirksräte auch, dass die Problematik Alkoholsucht leicht rückläufig sei, die Fälle von Drogensucht aber stark ansteigen würden.

Welche Drogen bevorzugt genommen werden, wollte Bezirksrat Heisl wissen. Natürlich spiele bei uns der Missbrauch von Crystal Meth durch die Grenznähe zu Tschechien eine große Rolle, Koks komme eher aus Holland, aber problematisch sei der Zuwachs beim Heroin, das etwas zurückgedrängt war, jetzt aber wieder im Kommen sei, hieß es von Seiten der Fachleute. Die Auswirkungen auf die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt thematisierte Bezirksrätin Wasner-Sommer. Firmen würden sich nach Präventionsmaßnahmen erkundigen.

Geschäftsführer Dr. Volker Barth sieht auch in der flächendeckenden Substitution nicht das Allheilmittel. Das sei keine Therapie. Auch Lothar Venus stieß ins gleiche Horn, gibt es doch gerade in Wegscheid hier negative Erfahrungen. Durch den Substitutionstourismus in den Marktflecken an der Grenze würden die Drogenprobleme aus der weiteren Region förmlich nach Wegscheid ins Ortsbild verlagert, was aber überhaupt nicht im Zusammenhang mit der Fachklinik stehe, sondern eine andere Ursache habe. Beim Umgang mit den Süchtigen sehe man mit eigenen Augen die fatalen Folgen des Drogenmissbrauchs bis hin zu den kaputt gehenden Familien, gab Venus zu bedenken.

Nicht nur wegen der 50 Arbeitsplätze sei die Fachklinik Schlehreut, die es seit 50 Jahren gibt, eine wichtige Einrichtung für die Region, waren sich alle drei einig. Sie sei auch die erste Fraueneinrichtung dieser Art in Bayern gewesen und mit der Mitnahmemöglichkeit von 26 Kindern die größte deutsche Einrichtung dieser Art. Den hohen Wert und den positiven Ruf von Schlehreut könne man auch dadurch ermessen, dass die Suchtkranken aus ganz Deutschland, Österreich und dem deutschsprachigen Raum Norditaliens kommen. Aufgenommen werden suchtkranke Frauen, Mütter mit Kindern im Alter von 0 bis 12 Jahren, Schwangere sowie Substituierte. Sie erfahren in der Fachklinik eine Entwöhnung sowie eine Adaption.

Zusätzlich werden eine therapeutische Begleitung von schwangeren Suchtkranken bis hin zur Nachsorge nach der Entbindung mit Stillberatung und Betreuung, sowie eine Heilpädagogische Kindertagesstätte angeboten, die sich um Erziehungskompetenz, Entwicklungsförderung und die Mutter-Kind-Beziehung kümmert. Ziel ist, einem Spruch von Dieter Hallervorden gemäß, kleinen Kindern ein Nest zu bauen und großen Kindern Flügel zu geben. Die Betreuer/innen sehen sich dabei als Impulsgeber und Wegbegleiter für Kind, Mutter und deren Beziehung.

Die Bezirksräte Cornelia Wasner-Sommer und Josef Heisl waren so beeindruckt, dass sie nun die neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung MdB Daniela Ludwig nach Schlehreut einladen wollen. „Wir brauchen immer wieder die Unterstützung aus München und Berlin, deshalb wollen wir unser Netzwerk dazu nutzen“, erklärten die Beiden. 

Bild: Beim Besuch in der Fachklinik, v.li. Bezirksrat Josef Heisl, Katrin Kaufmann, Rita Barth, Bezirksrätin Cornelia Wasner-Sommer, Geschäftsführer und Klinikleiter Dr. Volker Barth und 2. Bürgermeister Lothar Venus

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