Wenn Hunde Menschen retten
Das Trainingsgelände der Rettungshundestaffel Bayerischer Wald e.V. liegt etwas abgelegen am Waldrand nahe Kumreut – „der ideale Trainingsplatz für uns. Hier stören wir niemanden und können uns entsprechend den Rahmenbedingungen bestens auf Einsätze vorbereiten“, erklärt der Vorsitzende Martin Duckstein bei einem Besuch von MdL Josef Heisl.
Foto (Stefanie Starke): (v. l.) Susanne Watzl mit Pepper, Holger Bettge mit Kuhni, Sebastian Kaspari mit Muffin, Matilda Duckstein mit Branka, Martin Duckstein mit Ava, MdL Heisl, Nicki Obermüller mit Fini, Laura Dziekan mit Rosa, Sepp Kaspar, Alois MitteDer CSU-Landtagsabgeordneten hat auch im Rahmen seiner Funktion als Mitglied im Innenausschuss des Bayerischen Landtags großes Interesse an der Arbeit der Rettungshundestaffel. Dabei hat er das heuer anstehende Jubiläum der Staffel zum Anlass genommen, ein Training zu begleiten und mehr über die Arbeit und das Engagement von Hund und Mensch zu erfahren. „Ja, wir feiern im September unser 30-jähriges Bestehen und zählen damit zu Niederbayerns ältesten Rettungshundestaffel“, berichtet die zweite Vorsitzende Laura Dziekan bei einem kurzen Austausch im Vorfeld des Trainings.
Vor gut fünf Jahren hat Martin Duckstein die Rettungshundestaffel neu aufgezogen und mit zwischenzeitlich 24 Hundeführerinnen und -führern sowie derzeit acht einsatzfähigen Hunden auf wieder einsatzfähige Beine gestellt. „Fünf weitere Hunde stehen kurz vor ihrer Prüfung und dann unterstützen uns auch unsere Suchtrupphelfer bei unserer Arbeit“, so Duckstein. Teilweise sei so eine Vermisstensuche mit einer Art Geocaching für Erwachsene zu vergleichen. Das Einsatzspektrum der Staffel ist breit und gleichermaßen großräumig aufgestellt: Hauptsächlich dreht es sich um das Suchen, Finden und Retten von Menschen in potentiellen Gefahrensituationen – „also klassische Vermisstensuche von beispielsweise dementen Seniorinnen und Senioren, suizidgefährdeten Menschen, Jugendlichen oder immer wieder auch Touristen. Im Jahr kommen wir hochgerechnet auf rund 25 Einsätze – Alarmierungen sind es deutlich mehr. Unser Einsatz erfolgt dabei immer auf Anforderung durch die Polizei“, erklären die beiden Vorsitzenden. Dabei erstreckt sich das Einsatzgebiet über den gesamten niederbayerischen Raum, immer in Absprache mit weiteren Hundestaffeln zur entsprechenden Einsatzbereitschaft. „Wir agieren alle im Ehrenamt und da unser Gebiet sehr groß ist, kann eine ständige Einsatzfähigkeit nicht immer gegeben sein – daher unterstützen sich die Rettungshundestaffeln gegenseitig“, so Duckstein.
Noch während des Austauschs stürmen die beiden Junghunde Branka und Rosa das Vereinsheim und machen mit Schwanzwedeln und freudigen Begrüßungssprüngen auf sich und das anstehende Training aufmerksam. Die einjährige Branka befindet sich derzeit noch in der intensiven Ausbildung zum Rettungshund, die etwa zwei Jahre andauert. „Bald darf auch sie vielleicht schon ein Menschenleben retten“, freut sich auch Hundeführerin Matilda Duckstein – mit erst 15 Jahren die jüngste Hundeführerin im Verein.
In der Trainingseinheit auf dem Gelände in Kumreut wird schnell deutlich: Für die Hunde ist die Arbeit ein Spiel. Auf verschiedene Arten – Bellen, Bringseln oder Freiverweisen – zeigen die Hunde an, dass sie eine vermisste Person gefunden haben. Auch MdL Heisl bringt sich ins Training ein und bekommt am eigenen Leib zu erfahren, wie solch eine Suche abläuft. „Die Arbeit von Mensch und Hund ist aufwendig und mit unheimlich viel Arbeit und Training verbunden – das ist hier ganz klar deutlich geworden“, zeigt er sich beeindruckt von der Arbeit des Vereins. „Was nach außen hin spontan wirkt, ist eben das Ergebnis jahrelanger Ausbildung und ständigen Trainings“, erklärt Duckstein weiter. Zwei Mal pro Woche treffen sich die Vereinsmitglieder und ihre Hunde auf dem Trainingsplatz – immer wieder geht es dabei auch in den Wald. Ein zentraler Aspekt der Ausbildung ist in diesem Zusammenhang vor allem auch die Mensch-Hund-Beziehung.
Den Besuch des Landtagsabgeordneten haben die Mitglieder der Rettungshundestaffel auch genutzt, um einige Anliegen anzubringen: „Die Bedingungen sind ausbaufähig. Wir wünschen uns auch für unseren ehrenamtlichen Einsatz eine Helferfreistellung – also die gesetzliche Möglichkeit, nach einem Einsatz nicht sofort wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren zu müssen. Diese existiert für uns leider nicht – heißt auch: Wer nachts im Wald nach einer vermissten Person sucht, muss morgens trotzdem pünktlich bei der Arbeit erscheinen“, so Duckstein. Die Rettungshundestaffel wird ausschließlich über Spenden, Mitgliedsbeiträge, Dauerspender und Hundepaten finanziert. Heuer konnte erstmals auch in die Ausstattung investiert werden – etwa in ein dringend benötigtes Fahrzeug. „Die Einsatzkilometer muss allerdings auch der Verein tragen. Auch hier wünschen wir uns eine Unterstützung“, schließt Martin Duckstein seine Ausführungen und dankt für den Besuch des Abgeordneten.